24.10.2018

Boehringer steigt aus Biosimilar-Geschäft

Boehringer Ingelheim wird sich aus dem Geschäft mit Biosimilars wieder zurückziehen. Dies bestätigte der scheidende Deutschland-Chef Stefan Rinn am oberschwäbischen Standort Biberach am 23. Oktober.

Für den Rückzug machte der Pharma-Manager den hohen Aufwand bei Entwicklung und Zulassung verantwortlich. Stattdessen werde sich das Unternehmen auf die Eigenentwicklung (vier von zehn Entwicklungskandidaten seien Biologicals) und die biopharmazeutische Auftragsfertigung konzentrieren.

So werde das Familienunternehmen sein Humira-Biosimilar Cyltezo weder in Deutschland, noch in Europa auf den Markt bringt. Humira, ein monoklonaler Antikörper zur Behandlung von Autoimmunerkrankungen wie Arthritis und Morbus Crohn, ist das weltweit umsatzstärkste Medikament. Im vergangenen Jahr brachte es seinem Hersteller, dem US-Konzern AbbVie 16 Milliarden Euro Umsatz.


Am 17. Oktober 2018 ist in Deutschland Humiras Patentschutz abgelaufen. Es muss sich den Markt ab jetzt mit drei Biosimilars von Biogen, Sandoz/Hexal und Amgen teilen. Die Ausgaben für Humira, so teilt der deutsche Generika-Verband mit,  betrugen allein im deutschen Markt in der Gesetzlichen Krankenversicherung knapp eine Milliarde Euro. Zum Vergleich: Für Generika, die derzeit 78 Prozent der Arzneimittelversorgung abdecken, geben die Kassen pro Jahr etwa zwei Milliarden Euro aus. (Pro Generika, 17.10.2018).


Auf den US-Markt wird Boehringer Ingelheim sein Humira-Biosimilar bringen, wenn die Patentstreitigkeiten mit dem Originator Abbvie ausgeräumt seien. Das Rheuma-Mittel ist seit 2002 in den USA, in Europa seit 2003 auf dem Markt. (wp)