25.06.2018

Neues Entwicklungszentrum stärkt Biberacher Biotech-Standort

Boehringer Ingelheim hat an seinem größten Forschungs- und Entwicklungsstandort in Biberach den Grundstein für ein neues 230 Millionen Euro teures Entwicklungszentrum für biopharmazeutische Medikamente gelegt. In das achtstöckige Gebäude sollen ab 2021 insgesamt 500 Mitarbeiter einziehen. 100 neue Arbeitsplätze will der Konzern schaffen.

Das Unternehmen folgt damit einem weltweiten Trend, der seit Jahren einen wachsenden Anteil von biologischen Molekülen am Gesamtmarkt und vor allem in Forschung und Entwicklung verzeichnet.

Binnen eines Jahrzehnts habe sich Boehringers Anteil biologischer Wirkstoffe an der Pipeline von fünf auf rund 40 Prozent erhöht, sagte Dr. Fridtjof Traulsen, Corporate Senior Vice President für Entwicklung am 22. Juni. Das Entwicklungszentrum soll seinen Worten zufolge vor allem den Therapiebereichen Immunologie und Immunonkologie zu Gute kommen.

Eigene Pipeline stärken
„Wir wollen die eigene Pipeline stärken“, formulierte Christian Boehringer, Vorsitzender des Gesellschafterausschusses bei der Grundsteinlegung des Gebäudes, das sich im Norden des Firmengeländes nahe der Hochschule Biberach befindet. In einem Familien-Unternehmen bräuchten solche strategische Entscheidungen Zeit für Umsetzung, warb Boehringer um Verständnis für die längere Entscheidungsfindung.

Tatsächlich hat der weltgrößte Biopharma-Auftragshersteller, der auch Biosimilars entwickelt und herstellt, seit 2000 aus der eigenen Forschung nur zwei Biopharmazeutika auf den Markt gebracht: 2000 Tenecteplase zur Behandlung des akuten Herzinfarkts und Ende 2015 das Antidot Praxbind des hauseigenen Gerinnungshemmers.

Die Investitionsentscheidung  zugunsten des oberschwäbischen Standortes hatte das Unternehmen bereits im Oktober 2017 bekannt gemacht und für Erleichterung gesorgt, nachdem Ende 2015 Wien als zweiter großer Biotech-Produktionsstandort das Rennen gemacht hatte.

Verzahnung mit der Produktion

Ins  Biberacher Biotech-Entwicklungszentrum  sollen sämtliche, auch an anderen Standorten erforschten biologischen Moleküle kommen. Dort werden biologische Analytik, Prozessentwicklung sowie die Medikamentenherstellung für klinische Studien unter einem Dach zusammen- und an die Herstellung herangeführt. Diese „große integrierte Lösung“  in einem komplexen Netzwerk von Technologien  zu verzahnen, sei notwendig und lege die Grundlage für die Zukunft, sagte Dr. Ralf Schumacher, Leiter der Biologicals-Entwicklung.

Baden-Württembergs Wirtschafts- und Arbeitsministerin Dr. Nicole Hoffmeister-Kraut dankte den hochrangigen Unternehmensvertretern für das „klare Standortbekenntnis“. Die BioRegionUlm, deren Biotech-Historie auf das Jahr 1986 zurückgehe, sei zu „einem Markenzeichen geworden“. „Baden-Württemberg ist schon heute Pharmastandort Nr. 1 in Deutschland“.  

Das Land hat ehrgeizige Ziele
Gesundheitswirtschaft und Biotechnologie stünden für die Zukunftsfähigkeit des Landes, ein vom Wirtschaftsministerium in Auftrag gegebenes Standortgutachten erkenne in diesen Bereichen erhebliche neue Wertschöpfungspotentiale. Das Land will nach den Worten der Ministerin die Gesundheitswirtschaft zur dritten Leitbranche neben Automotive und Maschinenbau entwickeln.
Die gesundheitspolitische Sprecherin der CDU/CSU-Bundestagsfraktion Karin Maag unterstrich die bundesweite Bedeutung des Biopharmaziestandortes und betonte die Rolle der Biosimilars für mögliche Kosteneinsparungen im Gesundheitswesen.

Am Biberacher Standort sind derzeit rund 6.000 Mitarbeiter beschäftigt. Boehringer Ingelheim ist dort größter Arbeitgeber und Gewerbesteuerzahler. (Boehringer Ingelheim, 22.6.2018/Walter Pytlik)